Die Erzieherpersönlichkeit

Immer geht es im Erziehungsprozess um fruchtbare Begegnungen. Die Qualität der Erzieherperson hängt also in erster Linie davon ab, wie fähig sie ist, Begegnungen und damit Beziehungen aktuell herbeizuführen und zu gestalten.

Die Begegnung mit dem Kind ist zum einen eine Begegnung mit einer bestimmten Altersstufe, zum anderen die Begegnung mit einer bestimmten sozialen Umgebung und schliesslich die Begegnung mit einer ganz bestimmten Zeitsituation mit ihren zivilisatorischen Erscheinungen. Aber alle diese Begegnungen dienen dem Ziel, dem unverwechselbaren Wesen so zu dienen, dass es sich in diesem Alter, in diesem sozialen Umfeld und in dieser Zeit selbstständig zur Erscheinung bringen kann. Daher muss von der Erzieherperson erwartet werden, dass sie zu all diesen Gegebenheiten selber eine lebendige Beziehung herstellt, das heisst, sich bemüht, ein echter Zeitgenosse zu sein, der in der modernen Welt mit vielem Verständnis darinnensteht, der einen Sinn für Sozialprozesse hat und einen Blick für die unterschiedlichen altersspezifischen Entwicklungsbedingungen, vor allem aber einen Respekt vor dem unantastbaren Freiheitswesen, das in jedem Kind verborgen ist. All dies ist nur möglich, wenn sich die Erziehenden fortwährend selber erziehen.

  • Der Lehrer sei ein Mensch der Initiative im grossen und kleinen Ganzen.
  • Der Lehrer sei ein Mensch, der Interesse hat für alles weltliche und menschliche Sein.
  • Der Lehrer sei ein Mensch, der nie einen Kompromiss schliesst mit dem Unwahren.
  • Der Lehrer soll nicht verdorren und nicht versauern.

Auf die Frage, ob eine Pädagogik, die über 80 Jahre alt ist, noch aktuell sei, können wir daher antworten: Sie ist genauso aktuell, wie es die Erziehenden sind, die diese Pädagogik dadurch täglich neu verwirklichen, dass sie aus ihrer eigenen geistigen Aktualität Begegnung fruchtbar zu gestalten suchen.

Zimmermann, Heinz: Waldorf-Pädagogik weltweit, Hrsg: Freunde der Erziehungskunst, 2001.